Sonntag, 29. November 2015

[ #technik ] Vom Piratenhaken zur bionischen Prothese.

Ohne Goethe wäre Götz von Berlichingen wohl längst vergessen. Wäre da nicht noch dies: Eine schöne Geschichte verbindet den Namen "Götz von Berlichingen" mit dem technischen Entwicklungsstand des 16. Jahrhunderts in der Prothetik. 

Bei der Belagerung von Landshut im Jahre 1504 erleidet Götz ein folgenschweres Unglück. Seine rechte Hand wurde ihm im Bayrischen Erbfolgekrieg zerschossen: "Da schießt mir einer mit einer Feld-Schlangen den Schwert-Knopf entzwei und hat mir die Hand herabgeschlagen, dass der Arm hinten und vorne zerschmettert war und wie ich das so sehe, so hängt die Hand noch ein wenig an der Haut. Ich tat, als wäre mir nichts geschehen, wandte den Gaul und kam ungefangen von den Feinden hinweg zu meinem Haufen zurück."

Es ist die rechte Hand, die zerschmettert wurde, und der Schuss kam auch noch aus den eigenen Reihen. Die Karriere Götzens als Ritter scheint besiegelt, doch das Gegenteil ist der Fall. Götz lässt sich von einem namenlos gebliebenen deutschen Büchsenmacher eine Prothese bauen: Eine Eisenhand, die an seinen Unterarmstumpf festgeschnallt wird und mit einem künstlichen Mechanismus versehen ist, so dass sich die Finger mit Hilfe eines Zahnrades bewegen lassen. Aus dem Kriegsinvaliden wird "Der Ritter mit der eisernen Hand". Die Prothese war sensationell: Angeblich konnte Berlichingen sein Schwert fest greifen und damit auch kämpfen. Das Original mit noch funktionierendem Mechanismus befindet sich auf dem Stammschloss Jagsthausen.



Eine weniger ausgereifte, dafür aber sehr praktische Prothese verwendete der algerische Seeräuber Barabrossa Horuk. Wir kennen sie als obligatorische Seeräuberausrüstung von Faschingskostümen. Er verlor seine rechte Hand im Kampf gegen die Spanier in der Seeschlacht von Bugia (1517) und ersetzte sie durch einen eisernen Haken.

 Auf die Plätze. Fertig. Los! ⇒ 

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