Montag, 21. November 2016

[ #naturwissen ] Müssen auch Bienen schlafen?

Schlechter Schlaf, schlechte Erinnerung: Neue Studie der Freien Universität Berlin gibt Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Schlaf und Gedächtnisbildung

Wer nicht genügend schläft, leidet früher oder später an Konzentrationsschwächen. Doch nicht nur beim Menschen hat Schlafmangel große Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit: auch bei Bienen führt eine gestörte Nachtruhe zur Beeinträchtigung des Gehirns.

Das Forschungsteam um den Neurobiologen Randolf Menzel von der FU Berlin habt an Bienen erstmals in einem Experiment nachgewiesen, dass Schlafentzug das Gedächtnis beeinträchtigt. Dazu haben die Wissenschaftler Bienen mit kleinen Antennen bestückt, um die Flugrouten zwischen Futterstelle und Bienenstock zu messen. Bienen, die an einen unbekannten Ort ausgesetzt werden, finden nach wenigen Versuchen den Weg zum Bienenstock zurück – und speichern diesen Weg in ihrem Gedächtnis ab. Störten die Wissenschaftler jedoch den Schlaf der Bienen, indem sie sie alle fünf Minuten wachrüttelten, so traten zwei Probleme auf. Nicht einmal die Hälfte der Bienen war in der Lage, sich an den schon einmal zurückgelegten Weg zu erinnern. Außerdem brauchten die Tiere doppelt so viel Zeit für den Rückweg wie ausgeschlafene Artgenossinnen.


Im Schlaf, so die These der Forscher, speichern Menschen wie Tiere neue Erlebnisse so ab, dass frühere Erinnerungen verändert und ergänzt werden. „Ohne Schlaf können die Bienen ihre früher gesammelten Erfahrungen nicht durch eine neue Erfahrung verändern. Die Bildung dieses neuen Gedächtnisses wird also erst im Schlaf ermöglicht“, erläutert Menzel. Die Forschungsergebnisse sollen helfen, die Gedächtnisbildung bei Mensch und Tier besser zu verstehen. Zwar ist das Nervensystem von Bienen weniger komplex als das von größerer Tiere und des Menschen, so Menzel, in seiner Struktur aber durchaus ähnlich.

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