Sonntag, 20. November 2016

[ #naturwissen ] Die Natur als geniale Apotheke – Das Aspirin aus der Hand des Hippokrates

Briefmarke mit der Strukturformel von ASS
Warum Chemiker komplizierte Naturstoffe nachbauen: Die Natur ist nämlich eine geniale Apotheke. 

In der Natur gibt es viele äußerst wirksame Stoffe: Dazu gehören die starken Pilz- und Schlangengifte, von denen einige in winziger Dosis tatsächlich heilend wirken können. Hochkomplexe Substanzen dienen vielen Organismen aber nicht nur zur Abwehr oder zur Jagd, sondern finden sich auch als Farb-, Duft-, Geschmacksstoffe oder Hormone. Forscher schätzen, dass in den Ozenanen ungefähr 500 Millionen Verbindungen existieren, von denen weniger als hunderttausend bekannt sind. Auch hier könnte noch manche unbekannte Arznei schlummern.

Aspirin. Der berühmte Grieche Hippokrates von Kos empfahl gebärenden Frauen, Weidenrinde gegen Wehenschmerzen zu kauen. 1828 konnte der deutsche Pharmazeut Johann Andreas Buchner den Wirkstoff im Weidenrindenextrakt erstmals chemisch isolieren. Er nannte ihn Salicin – nach dem lateinischen Namen Salix für Weiden. Salicin wird in der Leber zu Salicylsäure umgesetzt, und diese entfaltet die medizinische Wirkung im Körper.

Mit der Salicylsäure beginnt auch die Geschichte des bis heute erfolgreichsten Arzneimittels: Jedes Jahr schlucken Menschen über zehn Milliarden Aspirin-Tabletten. Allerdings steckt in dem Medikament, das der Chemiekonzern Bayer bereits 1899 auf den Markt brachte, der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (kurz: ASS).  Der in der Rinde der Weide enthaltene Wirkstoff "Salicylsäure" verursacht  massive Nebenwirkungen wie Brechreiz und Verätzungen der Schleimhäute in Mund und Magen. In einem genialen Experiment gelang die Verbindung von Essigsäure ("Acidum aceticum") mit der Salicylsäure ("Acidum salicylicum"): die Acetyl - salicylsäure war geboren! Schnell stellte sich heraus, daß die neue, gut haltbare Substanz sehr viel verträglicher war. Und so begann der Siegeszug des neuen Arzneimittels "Aspirin".


Wissen ist Max.  Unter www.max-wissen.de finden Lehrer und Schüler eine Vielzahl von Texten, Bildern und Clips, die den Einstieg in Forschungsthemen erleichtern und den Weg für weiterführende Recherchen weisen. Das Portal – finanziert mit Mitteln des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft – liefert vor allem ergänzendes Material  zur MAX-Reihe, die vor Jahren mit BIOMAX startete und sich inzwischen an den Schulen erfolgreich etabliert hat. Die Max-Planck-Gesellschaft ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung, die in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins organisiert ist. Die Institute und Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft sind organisatorisch weitgehend selbständig und haben in der Regel keine eigene Rechtspersönlichkeit.

[ #MINTsprint ] ⇒

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen